In Deutschland gab es bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl sogenannter Wildbahnen. Dabei handelte es sich um besondere Gestüte, wo „Wildpferde“ ohne menschlichen Kontakt aufgezogen wurden. Durch die Markenteilung in der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zur Auflösung dieser Wildbahnen. Allein der Merfelder Bruch in Westfalen blieb ungeteilt bestehen.
Die Ponys, die in der Wildbahn des Merfelder Bruchs beheimatet sind, gelten als älteste Pferderasse in Deutschland. Die Pferderasse des Dülmener Wildpferds wurde erstmals 1316 in Urkunden erwähnt. Man vermutet allerdings, dass es die Rasse schon zu Zeiten Cäsars gab, der über kleine, zottelige Pferde dieser Region berichtete.
Im Jahr 1832 waren noch etwa 20 Tiere der Rasse übrig. Herzog von Croy ließ diese Tiere in ein anderes Gehege umsiedeln, wo sie sich ohne Einflussnahme fortpflanzen konnten. Gelegentlich wurden Hengste anderer Pferderassen des ursprünglichen Typs (Exmoorpony, Huzule und andere) in die Herde eingebracht. Auf diese Weise entstand das Dülmener Wildpferd im heutigen Typ, dass erkennbare Merkmale eines Reitpferdes aufweist.
Heutzutage gibt es im Merfelder Bruch etwa 300 Pferde der Rasse, die nicht mehr vollkommen wild leben. Einmal im Jahr erfolgt ein Zusammentrieb, damit die Pferde geimpft und gebrannt werden können. Außerdem werden Junghengste aussortiert, um den Bestand in gleichbleibender Zahl zu erhalten. Die Junghengste werden verkauft und in der Regel als vielseitige Freizeitpferde eingesetzt.
Das Dülmener Wildpferd zeichnet sich durch seine Intelligenz und Wachsamkeit aus. Wenn es gut ausgebildet wird, zeigt es sich als schnell lernfähig und lernwillig. Zu den weiteren Charakteristika des Dülmener Wildpferds gehört eine ausgeprägte Trittsicherheit und Nervenstärke. Dank ihrer zuverlässigen Art eignen sich sehr gut als Kinder- und Jugendponys. Größere Exemplare der Rasse können aufgrund ihrer Härte und Kraft auch von leichtgewichtigen Erwachsenen geritten werden.