Pferde: Disziplinierung und Zurechtweisung

Disziplinierungen und Zurechtweisungen lassen sich im Umgang mit Pferden meist nicht vermeiden. Dabei sollten die Zurechtweisungen möglichst pferdegerecht gestaltet werden, sich also am natürlichen Sozialverhalten in der Herde orientieren. Dabei hilft die Frage, wie sich ein ranghöheres Pferd in der zu korrigierenden Situation verhalten würde, um eine Lösung zu erreichen.

Bei der Zurechtweisung des Pferdes kann es sehr wirkungsvoll sein, auf Überraschungseffekte zu setzen. So können Sie das Pferd in einer Situation, die Sie zuvor nur durch ruhige Drohungen begleitet haben, durch eine unvermittelt heftige Reaktion, beeindrucken. Dabei sollten Sie darauf achten, dass das Pferd Ihre Reaktion trotzdem noch nachvollziehen kann.

In schwierigen Situationen, wo Disziplinierung und Zurechtweisung des Pferdes angebracht sind, sollten Sie sich ausschließlich selbst und allein mit dem Pferd auseinandersetzen. Dabei ist es wichtig, dass Sie sich nicht von Gefühlen mitreißen lassen, sondern dem Tier gegenüber immer fair bleiben.




Kommt es zu einer Situation, wo Sie das Pferd durch massivere körperliche Einwirkung zurechtweisen müssen, so tun sie dieses ohne den Einsatz von Hilfsmitteln. Nutzen Sie Ihre Hand dazu. Auf diese Weise spüren Sie am eigenen Leib, wie heftig Sie die Strafe erteilt haben und können so besser dosieren. Wenn Sie stattdessen eine Gerte benutzen, wissen Sie selber nicht, wie weh Sie Ihrem Pferd tun. Außerdem kann es passieren, dass das Pferd danach zwar die Gerte respektiert, aber Sie deshalb noch lange nicht.

Wenn sich Pferde in wiederkehrenden Situationen wiederholt nicht wie erwünscht verhalten und alle ruhigen Aufforderungen und üblichen Hilfen nicht den gewollten Effekt erreichen, ist es an der Zeit für eine geplante Zurechtweisung. Damit wenig Gefahr für Sie und das Pferd besteht, sollten Sie dazu einen Ort wählen, der ausreichend Platz für die Reaktion des Pferdes und Ihnen einen sicheren Standort bietet. Es sollten keine Gegenstände in der Nähe sein, wo sich das Tier verletzen kann. Außerdem sollten Sie allein mit dem Pferd sein, keine Beobachter und keine anderen Pferde.

Nun leiten Sie die entsprechende Situation wie immer ein. Sie wünschen beispielsweise, dass das Pferd in einem gewissen Abstand von Ihnen stehenbleibt und fordern es dazu wie üblich auf, indem Sie Ihre Körperhaltung, das übliche Stimmkommando usw. verwenden. Reagiert das Pferd wie sonst auch, gar nicht oder nicht genug auf Ihre Anweisungen, verschärfen Sie Ihre Hilfen überraschend. Machen Sie sich noch größer, erheben Sie Ihre Stimme, rucken Sie zwei- oder dreimal heftig am Führstrick, setzen Sie hektische Bewegungen ein und bedrängen Sie das Pferd. Zwingen Sie es vor Ihnen rückwärts zu gehen. Weigert es sich, erhöhen Sie den Druck, indem Sie es mit der flachen Hand vor die Brust, Schulter oder am Halsansatz schlagen (keinesfalls an den Kopf!). Seien Sie für ein paar Sekunden richtig laut und bedrohlich. Beharren Sie bei allen Maßnahmen, die Sie ergreifen, darauf, dass das Pferd Ihnen rückwärts ausweicht. Wenn das Pferd ein paar Schritte zurückgewichen ist, stellen Sie Ihre Handlungen sofort ein und verhalten sich ruhig. Kommt es jedoch ohne Aufforderungen wieder auf Sie zu, auch wenn es nur ein Schritt ist, setzen Sie sofort wieder an und „bestrafen“ sein Verhalten mit ein paar weiteren Sekunden heftiger Zurechtweisung. Falls das Pferd weiter zurückweicht oder einen Schritt zur Seite macht, verhalten Sie sich jedoch weiterhin ruhig. Sie müssen jetzt darauf bestehen, dass das Pferd sich nur noch vorwärts bewegt, wenn Sie ihm die Anweisung dazu geben. Nur so lernt das Pferd, dass es um sein unkontrolliertes Vorangehen geht. Beobachten Sie das Pferd genau und stimmen Sie Ihre Reaktionen auf sein Verhalten ab. Macht es Anstalten wieder unaufgefordert vorzutreten, versuchen Sie zunächst ob, ein mit Energie ausgeführter Fingerzeig ausreicht, um das Pferd davon abzuhalten, bevor Sie erneut ein paar Sekunden lang heftige Reaktionen zeigen.

Bei der Zurechtweisung des Pferdes ist es äußerst wichtig, dass Sie sofort Ruhe geben und keine weitere Einwirkung vornehmen, wenn das Pferd weiter nach hinten ausweicht oder einen Schritt zur Seite geht. Durch dieses Verhalten versucht das Pferd sich Ihrer heftigen Reaktion/Einwirkung zu entziehen und gibt Ihnen deshalb den Platz, den Sie von ihm gefordert haben.

Pferde, die von Natur aus schreckhafter sind, werden durch sehr weites Rückwärtstreten eine Menge Platz zwischen sich und den Menschen bringen. Auf diese Weise bringen sie ihren niederen Rang und ihre Unterwürfigkeit zum Ausdruck. Bei einem solchen Pferd, sollte der Mensch dem Pferd ruhig folgen, bis es anhält. Dann sollte man es ruhig ansprechen oder leicht am Hals berühren, damit es sich entspannt. Das ist wichtig, damit das Pferd wieder Vertrauen fasst. Ziel der Zurechtweisung ist ja nicht, dass das Pferd Angst vor dem Menschen bekommt, sondern vertrauensvollen Respekt.

Nach der Zurechtweisung sollten Sie diese nicht als unbeabsichtigt herunterspielen. Überhäufen Sie das Pferd jetzt nicht mit überschwänglichem Lob und dergleichen, um für eine gelöstere Atmosphäre zu sorgen. Die Disziplinierung war notwendig und Sie wollen die hart erarbeitete Zurückhaltung Ihres Pferdes dauerhaft für einen sicheren Umgang mit dem Tier beibehalten. Das Pferd soll durch die Zurechtweisung lernen, dass es in Zukunft beim Führen nicht mehr so sorglos neben Ihnen herlaufen und mit Ihnen umgehen kann. Sie haben dem Pferd gegenüber auf Ihren höheren Rang bestanden, was das Pferd dazu animiert, in Zukunft stärker auf Sie zu achten, um Ihnen nicht in die Quere zu kommen. So können Sie es beim Führen leichter kontrollieren und es wird von sich aus den notwendigen Abstand einhalten. Es wird sich Ihrer Anwesenheit in jeder Situation bewusst sein und eine Annäherung auch in Gefahrensituationen vermeiden, indem es von Ihnen zurückweicht.