Pferdegehirn – Gehirn des Pferdes

Beim Gehirn handelt es sich um ein äußerst komplexes Organ des Körpers, das sich aus einer Vielzahl von Teilen zusammensetzt. In Form, Aufbau und Funktionsweise ähnelt das Pferdegehirn den Gehirnen zahlreicher anderer Tiere aus der Klasse der Säugetiere (Mammalia). Im Gehirn sind in verschiedenen Teilen besondere Gruppen von Nervenzellen (Neuronen) oder „Zentren“ vorhanden, die eine Spezialisierung für die Erfüllung bestimmter Aufgaben aufweisen.

Das Pferdegehirn entspricht in seiner Form in etwa der Form der Schädelhöhle des Pferdes. Der schützende Knochen und das empfindliche Nervengewebe des Gehirns sind durch drei Membanen voneinander getrennt, die als Hirnhäute bzw. Meningen bezeichnet werden. Zwischen den beiden inneren Hirnhäuten befindet sich eine klare, farblose, cerebro-spinale Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit schafft eine chemisch stabile Umgebung für das Pferdegehirn und bietet ihm außerdem einen zusätzlichen mechanischen Schutz.




Beim erwachsenen Pferd bringt das Gehirn zwischen 400 und 700 Gramm auf die Waage. Das Verhältnis von Gehirngewicht zum Körpergewicht des Pferdes liegt also nur bei etwa 0,1 Prozent. Zum Vergleich: Beim Menschen liegt das Verhältnis Gehirngewicht zum Körpergewicht bei etwa 2 Prozent. Teilweise werden diese Zahlen verwendet, um die Intelligenz zwischen unterschiedlichen Tierarten miteinander zu vergleichen. Jedes Tier verfügt jedoch über eine individuelle Intelligenz, weshalb derartige Vergleiche gar keine Aussagekraft besitzen.

Pferdegehirn
Aufbau und Funktionen des Pferdegehirns

Das Gehirn des Pferdes unterteilt sich wie die Gehirne aller Säugetiere anatomisch in drei Abschnitte: das Hinterhirn, das Mittelhirn und das Vorderhirn.

Der Hirnstamm bildet das Hinterhirn. Durch den Hirnstamm laufen alle Nervenstränge, die Signale aus dem Rückenmark leiten. Medulla und Pons (Brücke) des Hirnstamms beinhalten Gruppen von Nervenzellen (neuronale Zentren), die für die automatische und unbewusste Steuerung von Herzschlag, Atemrhythmus, Blutdruck und Husten zuständig sind. Haltung und Muskelspannung oder Schlafen und Waschen werden von anderen neuronalen Zentren gesteuert. Ein weiterer Bestandteil des Hirnstamms ist das Kleinhirn, das auch mit dem Begriff Cerebellum bezeichnet wird. Das Cerebellum ist eine kugelförmige Struktur an der Hirnrückseite. Das Kleinhirn dient der Koordination und dem Lernen von Bewegungen. Außerdem steuert es Körperhaltung und Gleichgewicht des Pferdes.

Das Mittelhirn befindet sich unten. Im Mittelhirn sind die neuralen Zentren für Sehreflexe, Hörreflexe und für die willensgesteuerte Bewegung untergebracht. Das Mittelhirn führt direkt zum Zwischenhirn, das auch als Diencephalon bezeichnet wird. Das Diencephalon setzt sich unter anderem aus Hirnanhangdrüse bzw. Hypophyse, Zirbeldrüse, Hypothalamus und Thalamus zusammen.

Das limbische System ist ein Bestandteil des Vorderhirns. Es befasst sich mit olfaktorischen Empfindungen (Geruchsempfindungen), Lernen, Gefühlen, endokrinen Funktionen und kümmert sich gemeinsam mit dem Hypothalamus um den Ausdruck von Angst, Wut oder Sexualverhalten. Das Cerebrum ist der restliche Teil des Vorderhirns und gleichzeitig der Hauptbestandteil des gesamten Pferdegehirns. Das Cerebrum besteht aus zwei getrennten Hälften (linke und rechte Hälfte), die durch Nervenfaser-Bündel miteinander verbunden sind. Das größte dieser Nevenbündel ist der Gehirnbalken, der auch als Corpus callosum bezeichnet wird.

Die graue, faltige Außenschicht des Gehirns wird als Gehirnrinde oder Cortex bezeichnet. Die Gehirnrinde ist verhältnismäßig dünn, stellt jedoch aufgrund ihrer starken Faltung fast die Hälfte des Cerebrum-Volumens. Informationen von den berührungsempfindlichen Rezeptoren in der Haut werden über aufsteigende Bahnen zu Hirnstamm und Thalamus geleitet und bilden letztlich eine Karte des gesamten Pferdekörpers auf einer somatosenorischen Fläche der Gehirnrinde ab. Die Neuronen in einem anderen Abschnitt der Gehirnrinde sind für die Motorik zuständig und tragen unmittelbar zur Bewegung unter Beteiligung individueller Muskelgruppen bei.

Es besteht die Annahme, dass die Gehirnrinde auch für die Wahrnehmung von Situationen und Objekten verantwortlich ist und außerdem auch geistige Aktivitäten wie beispielsweise das Lösen von Problemen steuert.

Ausgewählte Bestandteile des Pferdegehirns

Medulla – Stammhirn
verantwortlich für:
Atmung, Herzschlaf, Schlucken und Verdauung

Cerebellum – Kleinhirn
verantwortlich für:
Gleichgewicht, Muskeltonus und Koordination der Bewegungen

Mittelhirn
verantwortlich für:
Kontrolle der Verbindung von Körper zu Gehirn, Körpertemperatur, Nahrungsaufnahme, Emotionalverhalten und Fortpflanzung

Hypophyse – Hirnanhangdrüse
verantwortlich für:
Hormonproduktion
(Sexualverhalten, Stressbewältigung, Erhalt anderer Körperfunktionen)

Riechkolben
verantwortlich für:
Steuerung Vorderhirn, Riechen und Schmecken

Cortex – Großhirnrinde
verantwortlich für:
Verarbeitung von Fühlen, Hören, Sehen, bewusst gesteuerte Bewegung, Bewusstsein, Denken, Lernen, Integration der Persönlichkeit

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