Anatomie: Hengst – Geschlechtsorgane

Wie bei allen Säugetieren verfügt auch das männliche Pferd – der Hengst – über innere und äußere Geschlechtsorgane. Hoden mit Nebenhoden, die akzessorischen (hinzukommenden) Geschlechtsdrüsen (Ampullen, Bulbourethraldrüsen, Prostata (Vorsteherdrüse) und Samenbläschen) und der Samenstrang gehören zu den inneren Geschlechtsorganen des Hengstes. Penis und Hodensack bilden die Gruppe der äußeren Geschlechtsorgane.

Hoden und Hodensack

Die Hoden des Hengstes sind durchschnittlich etwa 6 bis 12 Zentimeter lang, etwa 4 bis 7 Zentimeter hoch, etwa 5 Zentimeter breit, wiegen etwa 200 Gramm und liegen als Paar vor. Die Hoden wachsen beim Hengst bis zum Erreichen der Geschlechtsreife (ca. bis zum 5. Lebensjahr des Hengstes). Sie sind im Hodensack untergebracht, der sich unterhalb der Bauchhöhle des Hengstes befindet. Damit die Hoden Spermien produzieren können, ist eine niedrigere Temperatur als im Inneren der Bauchhöhle notwendig, was durch die „Außenlage“ des Hodensacks erreicht wird. Der Hodensack setzt sich aus mehreren Schichten zusammen. Seine Innenwand ist eine Ausstülpung des Bauchfells, die im Bereich des Hodensacks als Scheidenhautfortsatz (Tunica vaginalis) bezeichnet wird. Der Hodensack ist über eine Sehnenlücke im Bauchmuskel, die als Leistenring bezeichnet wird, mit der Bauchhöhle verbunden. Ein Hoden besteht aus einer großen Vielzahl von feinsten Samenkanälchen, worin die Vorstufen der Spermien produziert werden. Die Samenkanälchen bündeln sich und verlaufen in den Nebenhodenkopf. In den Nebenhoden erfolgt die Reifung der Samenzellen. Wenn diese den Nebenhodenkanal erreichen, erlangen sie schließlich ihre Eigenbeweglichkeit. Die Spermien kommen von den Nebenhoden über den Samenleiter (ca. 0,6 Zentimeter Durchmesser) in die Bauchhöhle. Im Bereich des Beckens dringen sie schließlich in die Harnröhre vor. Dieser Abschnitt der Harnröhre wird von drei akzessorischen Geschlechtsdrüsen eingefasst. Die Sekrete, die von diesen Drüsen abgegeben werden, bilden zusammen mit den Spermien das Gesamtejakulat des Hengstes. Die Menge des Ejakulats beim Hengst liegt bei etwa 150 Milliliter. Durch die Sekrete der Geschlechtsdrüsen wird die Beweglichkeit und Fähigkeit zur Befruchtung bei den Samenzellen erhalten. Die Hoden sind neben der Spermaproduktion für die Erzeugung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron verantwortlich.




Wie schon erwähnt, benötigen die Hoden für die Spermabildung eine Temperatur, die sich unterhalb der Körpertemperatur befindet, weshalb sie außerhalb des Körperinneren im Hodensack untergebracht sind. Wenn die Außentemperatur sehr niedrig ist oder sich der Hengst aufs Laufen vorbereitet, sorgt ein Muskel dafür, dass die Hoden dichter an den Körper gezogen werden. Dieser Muskel wird Kremastermuskel oder auch Hodenheber genannt. Er sorgt durch Entspannung auch dafür, dass die Hoden weiterherabhängen können, wenn ihre Temperatur zu hoch wird.

Bei vielen Hengsten werden die Hoden operativ entfernt (Kastration), um die Pferde im Temperament zu zügeln und weil eine Zucht nicht beabsichtigt ist. Nach einer Kastration spricht man nicht mehr vom Hengst, sondern vom Wallach

Penis

Der Penis ist das Organ zur Paarung. Durchschnittlich misst der Penis des Hengstes etwa 44 Zentimeter in der Länge und 5 Zentimeter im Durchmesser. Beim Geschlechtsakt ist der Penis für die Übertragung der Samen verantwortlich. Der Peniskörper setzt sich aus zwei Schwellkörpern zusammen, die einen weich-elastischen Hohlraum bilden, der von Blut durchflossen wird. Wenn der Hengst erregt ist, wird dieses Schwellgewebe extrem mit Blut gefüllt, indem der Blutzufluss gesteigert und der Blutabfluss reduziert wird, was von Nerven gesteuert wird. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Hämodynamik. Aus dieser Tatsache ergibt sich die Versteifung und Vergrößerung (Verdoppelung in Größe und Länge) des Penis.

Geschützt wird der Penis vom sogenannten Schlauch, der ihn wie eine schützende Tasche umgibt. Der Schlauch hat ein großes Volumen und gibt beim Traben gelegentlich ein gluckerndes Geräusch ab. Drüsen in dieser Region geben eine ölige Substanz ab, welche gemeinsam mit Hautschuppen und den üblichen Bakterien das sogenannte Smegma bildet. Smegma ist eine rötlich-braune Substanz, die regelmäßig trocknet und anschließend abblättert.

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