Stute – Anatomie

Die Stute verfügt wie der Hengst über innere und äußere Geschlechtsorgane. Zu den inneren Geschlechtsorganen der Stute gehören die Eierstöcke, die Eileiter und die Gebärmutter. Die Gruppe der äußeren Geschlechtsorgane wird von den großen und kleinen Schamlippen und unterschiedlichen Drüsen gebildet.

Eierstöcke, Eileiter und Zyklus

Die weiblichen Keimdrüsen werden als Eierstöcke (Ovarien) bezeichnet. Bei der Stute wiegen die Eierstöcke etwa 50 bis 60 Gramm. Sie befinden sich kurz hinter den Nieren der Stute und lassen sich bei einer rektalen Untersuchung durch den Mastdarm sehr gut ertasten. Die Eierstöcke produzieren die Hormone Östrogen, Progesteron und Inhibin. In den Eierstöcken läuft außerdem ein sogenannter ovarieller Zyklus ab, was bedeutet, dass sich die Eierstöcke einer gesunden Stute, die nicht trächtig ist, in regelmäßigen Intervallen verändern. Dieser Zyklus lässt sich äußerlich durch die Rosse der Stute erkennen. Bei der Stute dauert der Zyklus 21 Tage, wovon sie an zwei bis vier Tagen empfängnisbereit (rossig) ist. Wenn sie während dieser Zeit trächtig wird, dauert es ungefähr elf Monate bevor das Fohlen geboren wird.




Bereits bei der Geburt der Stute enthalten ihre Eierstöcke mehrere Tausend Eier (Ova). Weitere Eier werden im Laufe des Lebens der Stute nicht mehr gebildet. Sobald die Stute geschlechtsreif ist, werden die Eier in regelmäßigen Abständen aus den Eierstöcken ausgestoßen. Dieser Rhythmus wird durch die Hormone Follitropin und Lutropin gesteuert (siehe unten: Weitere Organe…). Die Eierstöcke sind bohnenförmig und befinden sich unterhalb des vierten und fünften Lendenwirbels der Stute. Die Größe variiert individuell und in Abhängigkeit vom Alter der Stute und der Jahreszeit. In der Regel sind die Eierstöcke ca. 2 bis 4 Zentimeter lang, im Sommer ca. 5 bis 10 Zentimetern und im Winter ca. 2 bis 3 Zentimeter lang. Im Winter sind die Eierstöcke klein, hart und inaktiv. Ab dem Frühjahr werden sie durch das Follikelwachstum aktiviert und vergrößern sich. Die reifen Follikel sind von weicher Konsistenz.

In den Eierstöcken sind mehrere Hunderttausend kleine Primordialfollikel enthalten. Von diesen Primordialfollikeln entwickeln sich nur einige in reife Follikel, die Eier beherbergen. Kurz vor und während der Rosse werden mehrere Follikel gebildet, wobei in der Regel nur eins der Follikel größer wird und die anderen ihre Entwicklung später fortsetzen oder sich zurückbilden. Wenn der Follikel einen Durchmesser von 3 bis 5 Zentimetern erreicht hat und vergrößerte Eier sowie zusätzlich Flüssigkeit mit den Hormonen Inhibin und Östrogen enthält, ist seine Entwicklung abgeschlossen.

Sobald der Follikel einen Querschnitt von durchschnittlich 4 Zentimetern erreicht hat und seine Wände dünner werden, passiert der Eisprung. Es kommt zum Platzen des reifen Follikels, wobei das Ei durch die Ovulationsgrube (Fossa ovarii) in Richtung der Öffnung des Eierstocks entlassen wird. Anschließend fällt der Follikel zusammen, eine Verdickung und Verklumpung, wodurch der sogenannte Gelbkörper (Corpus luteum) entsteht. Der Gelbkörper fängt nun innerhalb eines Tages mit der Ausschüttung des Gelbkörperhormons Progesteron an, das für die Sicherung des Trächtigkeitsablaufs verantwortlich ist. Wenn eine Befruchtung während der empfängnisbereiten Tage ausbleibt, kommt es zu einer Rückbildung des Gelbkörpers und ein neuer Follikel kann heranreifen. Liegt eine erfolgreiche Befruchtung vor, wird der Zyklus für die Dauer der Trächtigkeit ausgesetzt. Auf dem Eierstock können sich zur selben Zeit sowohl ein Follikel, als auch die Vorstufen davon oder Reste des Gelbkörpers befinden.

Von den Eierstöcken geht jeweils ein kleiner, enger, gewundener, muskulöser Schlauch ab – der Eileiter. Er hat eine Länge von etwa 20 bis 30 Zentimetern und mündet in das Gebärmutterhorn. Der Eileiter weist eine trichterförmige Erweiterung auf, womit er das Ei vom Eierstock aufnimmt und in die Gebärmutter weitertransportiert. Ein Abschnitt des Eileiters ist auch der Ort der Befruchtung der Eizelle durch die Samenzelle im Anschluss an die Begattung der Stute. Zur Gebärmutter hin hat der Eileiter eine ventilähnliche Klappe, die das Sperma des Hengstes in die eine Richtung durchlässt. Nach der Befruchtung gelangt der Embryo in die andere Richtung durch diese Klappe in die Gebärmutter.

Gebärmutter

Die Gebärmutter (Uterus) der Stute setzt sich aus zwei Gebärmutterhörnern (linkes und rechtes), dem Gebärmutterkörper und dem Gebärmutterhals zusammen. Die Gebärmutterhörner weisen jeweils eine Länge von etwa 20 bis 25 Zentimetern auf. Der Körper der Gebärmutter ist etwa 18 bis 20 Zentimeter lang und etwa 10 Zentimeter breit. Lokalisiert ist die Gebärmutter in der Beckenhöhle unterhalb des Mastdarms der Stute. Auch die Gebärmutter insbesondere die Gebärmutterschleimhaut ist von Prozessen betroffen, die im Rahmen des Zyklus, ablaufen.

Die Wand der Gebärmutter besteht aus drei Schichten. Innen liegt die Schleimhaut (Endometrium), die Zwischenschicht bildet eine Muskelschicht (Myometrium) und außen befindet sich eine Schutzschicht. Die Gebärmutterschleimhaut ist gefaltet und weist eine einzellige in Schichten zusammengesetzte Auskleidung auf, worin sich die sogenannten Knäueldrüsen befinden, die für die Sekretion von Hormonen und Nährstoffen verantwortlich sind, die im Laufe des Rossezyklus benötigt werden.

Der Keimling nistet sich während der Trächtigkeit in der Schleimhaut des linken oder rechten Gebärmutterhorns ein und wächst dort heran. Das Gebärmutterhorn ist zu einer enormen Ausdehnung in der Lage und kann sich um ein Vielfaches vergrößern, wobei es sich und damit dem Fohlen ausreichend Platz in der unteren Bauchhöhlenhälfte schafft. Die sogenannten Mutterbänder (starke Bandstrukturen) halten das Gebärmutterhorn dabei in seiner Position. Durch die Mutterbänder verlaufen bedeutende Versorgungsgefäße für die Gebärmutter und das heranwachsende Fohlen.

Der Gebärmutterhals (Cervix) stellt das Ventil zwischen Gebärmutter und Scheide der Stute dar. Während des Deckaktes und während der Geburt des Fohlens, muss sich der Gebärmutterhals extrem ausdehnen können, wohingegen er für die Dauer der Trächtigkeit zuverlässig fest verschlossen bleiben muss. Der Gebärmutterhals der Stute hat einen Durchmesser von ungefähr 4 Zentimetern und eine Länge von circa 7 Zentimetern. Die Wand des Gebärmutterhalses beinhaltet eine dicke Schicht glatter Muskulatur, die unter einer in Falten liegenden Schleimhautmembran liegt.

Scheide und Vulva

In Richtung Schweif schließt sich an den Gebärmutterhals die Scheide (Vagina) der Stute an. Die Scheide hat ein Maß von etwa 20 mal 12 Zentimetern. Sie läuft in den Scheidenvorhof über, wo sich verschiedene Schleimdrüsen befinden. Die Schleimdrüsen sondern Sekrete ab, die die Scheide befeuchten und so das Eindringen des Penis erleichtern. Der Scheidenvorhof bildet zusammen mit den Schamlippen und dem Kitzler die von außen sichtbaren Geschlechtsorgane der Stute, die auch als Vulva bezeichnet werden. Die Vulva liegt gleich unter dem After des Pferdes und ist an zwei mit dünner, pigmentierter Haut bedeckter Lippen (Schamlippen, Schamspalten). Auf der Innenseite der Schamlippen ist unten die Klitoris in einem Hautsäckchen untergebracht. Die Klitoris der Stute ist anfällig für Entzündungen, wenn sich in dem käsigen Belag (Smegma), der dort gebildet wird, schädliche Bakterien niederlassen.

Gebärmutterhals, Scheide und Vulva stellen eine wichtige Abriegelung zwischen innen und außen dar.

Weitere Organe, die für die Fortpflanzung wichtig sind

Bei der Stute sind außerdem noch Zirbeldrüse, Hirnanhangsdrüse und Hypothalamus für die Fortpflanzung von Bedeutung. Die Zirbeldrüse ist eine kleine, rötlich-braune Drüse in ovaler Form, die zwischen den beiden Gehirnhälften sitzt. Sie ist für die Produktion von Melatonin verantwortlich. Melatonin wird während der Stunden ohne Tageslicht ausgeschieden und verhindert die Ausschüttung von Gonadotropin (auch: gonadotropes Hormon) durch den Hypothalamus, das wiederum das Einsetzen der Rosse auslöst. In der Hirnanhangdrüse, die sich direkt am Gehirnstamm befindet, werden die Hormone Follitropin (FSH / Follikel stimulierendes Hormon) und Lutropin (LH / luteinisierendes Hormon) gebildet. Diese beiden Hormone üben gemeinsam mit weiteren Hormonen, welche das Fortpflanzungssystem indirekt beeinflussen, die Kontrolle über die Aktivität der Eierstöcke aus. Der Hypothalamus ist mit der Hirnanhangsdrüse verbunden und ebenfalls ein Hormonproduzent. Neben dem Rossezyklus bestimmenden Hormon Gonatropin werden vom Hypothalamus auch noch weitere Hormone ausgeschüttet.