Verdauung und Verdauungssystem

Die Nahrung, die das Pferd zu sich nimmt, setzt sich aus vielen biochemischen Bestandteilen zusammen. Das Futter wird durch Kauen (mechanische Zerkleinerung), durch Enzyme (chemischer Abbau) und bakteriellen Abbau in kleinste Partikel zerlegt. Diese Partikel sind von so geringer Größe, dass sie durch die Darmwand ins Blut gelangen können. Im Pferdekörper werden die Partikel dann wieder zu größeren Einheiten zusammengefügt. Auf diese Weise entstehen Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette. Dieser Prozess wird mit dem Begriff Verdauung umschrieben.
Verdauungsorgane
Pferde rupfen beim Fressen kurzes Futter mit ihren sehr beweglichen, kräftigen Lippen ab, wobei sie die Lippen auch zur Selektion einsetzen. So gibt es Pferde, die mithilfe ihrer Lippen und ihres Geruchssinnes, problemlos ein pelletiertes Wurmmittel aussortieren, das mit einem pelletierten Kraftfutter (gleiche Pelletgroße) vermischt gefüttert wird. Die Lippen bilden die Begrenzung der Maulspalte. Die Zunge hilft bei längerem Futter, während die Schneidezähne Pflanzen auf der Weide abreißen. Zunächst wird das Futter in der Maulhöhle gesammelt und erst einmal gründlich eingespeichelt und gekaut. Pferde produzieren nur dann Speichel, wenn sie auch tatsächlich kauen. Beim Kauen wird das Futter zwischen den Backenzähnen, die über breite Kauflächen mit Leisten und Furchen verfügen, zermahlen. Pferde kauen jeweils nur auf einer Seite, wobei sie in Perioden die Seiten wechseln. Pro Minute kommen etwa 60 bis 80 Kieferschläge zusammen.




An einem Kilogramm Heu kaut das Pferd etwa 3.000 bis 6.000mal, was ungefähr 40 Minuten in Anspruch nimmt. Im Vergleich dazu, fällt das Kauen bei einem Kilogramm Kraftfutter wie Hafer mit bis zu circa 1.000mal (etwa 10 Minuten) sehr gering aus. Wegen des vermehrten Kauens ist die Einspeichelung von Raufutter deutlich besser als von Futtermitteln, die in konzentrierter Form gefüttert werden. Mithilfe der Zunge verteilt das Pferd das Futter dabei nach links und rechts zu den Mahlzähnen. Ein normaler Warmblüter produziert während des Kauens etwa 80ml Speichelflüssigkeit. Pro Tag produziert ein Pferd insgesamt circa 10 bis 15 Liter Speichel.

Im Pferdespeichel ist im Vergleich zum menschlichen Speichel das Enzym Amylase nicht enthalten. Amylase spielt eine Rolle bei der Stärkeverdauung (Verdauung von Kohlenhydraten). Da das ursprüngliche Futter der Pferde nur wenig Stärke enthielt, ist ihr Körper nicht besonders darauf angepasst.

Der Pferdespeichel übernimmt mehrere wichtige Funktionen. Er sorgt für eine gute Gleitfähigkeit des Futters, was Schlundverstopfungen verhindert. Im Speichel sind Elektrolyte (Bicarbonat-Ionen) enthalten, die dazu beitragen, dass das Säure-Basen-Gleichgewicht im Pferdekörper erhalten bleibt. Durch den mineralienhaltigen Speichel wird das Futter gepuffert, wenn es in das saure Milieu des Pferdemagens gelangt. Pferdespeichel hat einen pH-Wert von etwa 7,5.

Wenn die Nahrung durch Kauen auf eine Teilchengröße von 1 bis 2 Millimetern zerkleinert wurde, schluckt das Pferd. Der Nahrungsbrei rutscht dann mit dem Speichel durch die Speiseröhre in den relativ kleinen Pferdemagen, der nur ein Fassungsvermögen von 15 bis 20 Litern (Ponymagen – etwa 8 Liter) hat. Mehr als 2,5kg Kraftfutter kann der Magen des Pferdes nicht aufnehmen. Wenn das Pferd eine Schaufel voll Futter bekommt, quillt dieses durch die Vermengung mit Speichel und Magensäften so auf, dass damit der gesamte Pferdemagen fast vollständig gefüllt ist. Der Pferdemagen weist eine derartig geringe Größe auf, weil Pferde Fluchttiere sind. Ein voller, schwerer Magen würde eine schnelle, erfolgversprechende Flucht vor Raubtieren unnötig erschweren.

Im Magen beginnt nun die Verdauung, die sich im Dünndarm fortsetzt. In der Hauptsache werden dabei die drei Grundnährstoffe Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett so aufgearbeitet, dass sie vom Pferdekörper verwertet werden können. Durch die Enzyme aus dem Darmsaft und der Bauchspeicheldrüse werden Kohlenhydrate (Stärke) in Glukose und Einfachzucker zerlegt, Eiweiße bzw. Proteine in Aminosäuren zerlegt und Fette in Fettsäuren zerlegt. Die entstehenden Molekülketten sind von so geringer Größe, dass sie klein genug sind, um durch die Wand des Darms in die Blutgefäße zu gelangen. Alle Bestandteile des Futters, die im Dünndarm nicht verdaut werden, gelangen in den Dickdarm. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Rohfaser.

Der Dickdarm des Pferdes setzt sich aus Blind-, Grimm- und Mastdarm zusammen. Hier wird die restliche Nahrungsmasse von den unverdaulichen Futterbestandteilen getrennt. Der Pferdedickdarm kann mit einer großen Gärkammer gleichgesetzt werden. Er beherbergt zahlreiche Mikroorganismen, die in der Lage sind, Rohfaser abzubauen und als Nährstoffquelle zu nutzen. Beim Abbau der Rohfaser produzieren die Mikroorganismen B-Vitamine und setzen Energie frei, welche dem Pferd dann wieder zur Nutzung zur Verfügung steht.

Am Ende bleibt der Kot übrig, der alle unverdaulichen Reste des Futters enthält, im Mastdarm gesammelt und in regelmäßigen Abständen in Form der bekannten Pferdeäpfel ausgeschieden wird. Ein Pferd setzt übrigens pro Tag zwischen 10 und 20 Kilo Kot ab, der in 10 bis 20 Portionen abgesetzt wird. Die Konsistenz (fester oder wässriger) der Pferdeäpfel hängt von der Art des Futters ab.

Werden Pferde besipielsweise beim Reiten stärker gefordert, äpfelt es im Rahmen der Reitstunde fünf- bis sechsmal ab. Dieses hängt mit dem Erregungszustand des Pferdes, das bekanntlich zu den Fluchttieren gehört, zusammen. Bei einer Flucht stoßen Pferde alles an Gewicht ab, was entbehrlich ist, dazu gehört auch der Kot. Auch bei nervösen oder ängstlichen Pferden kann man häufiges Abäpfeln beobachten. Beispielsweise, wenn sich das Pferd wegen einer Behandlung durch den Tierarzt oder Hufschmied aufregt. In diesem Fall macht es sich ebenfalls fluchtbereit.

Bei der Verdauung spielt auch die Leber eine wichtige Rolle, da sie Eiweiß speichert und viele Gifte im Körper unschädlich macht.

Der Weg der Nahrung durch den Pferdekörper

Weg