Strukturstoffe: Zuckerrübenschnitzel – Futtermittel für das Pferd

Zuckerrübenschnitzel sind eine Besonderheit: Sie stellen eine Art Zwischending zwischen Strukturfutter und Kraftfutter dar. Bei der Zuckerrübe handelt es sich um ein Wurzelgemüse aus derselben Familie wie die Kartoffel, dessen Anbau in der Landwirtschaft zur Zuckergewinnung erfolgt. Wenn der Zucker aus der Zuckerrübe extrahiert wurde, bleiben Brei und Faserstoffe (rohfaserhaltiges Fruchtfleisch) zurück.

Zu diesen Reststoffen wird Melasse hinzu gegeben. Anschließend wird die Masse getrocknet und zu Trockenschnitzeln weiterverarbeitet. Zuckerrübenschnitzel weisen einen ähnlichen Energiegehalt wie minderwertiger Hafer auf. Allerdings resultiert diese Energie nicht wie beim Hafer aus Stärke sondern aus verdaulicher Rohfaser und Saccharose, was dafür sorgt, dass die aufputschende Wirkung weniger ausgeprägt ist. Daneben liefern Zuckerrübenschnitzel Kalzium und verdauliche Rohfaser. Zuckerrübenschnitzel können als alleinige Energiequelle für Pferde verwendet werden, die lediglich selten geritten werden. Bei einer derartigen Fütterung sollten zusätzlich Luzerne oder andere rohfaserreiche Futtermittel gefüttert werden.




Zuckerrübenschnitzel eignen sich auch gut zur Fütterung von Pferden, die zu vermehrtem Schwitzen aufgrund von hohen Leistungen bei warmer Witterung neigen. In Zuckerrübenschnitzel ist Pektin enthalten. Zuckerrübenschnitzel fungieren in den hinteren Abschnitten des Pferdedarms als Wasserspeicher. Sie ziehen Wassermoleküle an und halten diese fest. Durch den Rohfasergehalt liefern Zuckerrübenschnitzel außerdem langsam verfügbare Energie, was sie zur idealen Energiequelle für Pferde macht, die Langstrecken bewältigen müssen. Auch für Pferde, die bei schnell verfügbaren Energiequellen zu Temperaturausbrüchen neigen, sind Zuckerrübenschnitzel optimal.

Nasses, loses Fruchtmark aus der Zuckerextraktion eignet sich wegen der schlechten Lagerfähigkeit (erhöhte Gärgefahr) kaum zur Pferdefütterung. Auch von der Verwendung von siliertem Fruchtmark sollte Abstand genommen werden.

Zuckerrübenschnitzel sollten in einem speziellen Behälter gelagert werden, der unbedingt entsprechend kennzeichnet werden sollte. (Insbesondere bei pelletierten Zuckerrübenschnitzeln besteht eine große Gefahr der Verwechslung mit herkömmlichen Kraftfutterpellets.)

Für die Fütterung müssen die Zuckerrübenschnitzel mit reichlich kaltem Wasser (doppelt soviel Wasser vom Gewicht her wie Zuckerrübenschnitzel) bedeckt werden. Nach dem Einweichen sollte immer noch ein Rest Wasser übrig bleiben. Die Einweichzeit sollte mindestens zwölf Stunden (besser 24 Stunden) betragen, bevor das Pferd die Zuckerrübenschnitzel in den Trog bekommt. Zuckerrübenschnitzel mit einem Trockengewicht von knapp 600g bringen in eingeweichtem Zustand etwa 2,6kg auf die Waage!

Da eingeweichte Zuckerrübenschnitzel vor allem bei warmem Wetter sehr schnell gären, sollte man sie sofort verfüttern und täglich einen neuen frischen Ansatz machen. Der Behälter, der zum Einweichen der Zuckerrübenschnitzel verwendet wird, sollte zudem nach jeder Benutzung sorgfältig gereinigt werden.

An einem Tag können bis zu 1,8kg Zuckerrübenschnitzel an ein Pferd verfüttert werden, was in etwa vier Futterschippen eingeweichter Schnitzel entspricht.

Im Handel werden auch Zuckerrübenschnitzel angeboten, die nicht melassiert sind und deshalb weniger lösliche Kohlenhydrate beinhalten.

Neben Zuckerrübenschnitzeln werden Zuckerrüben auch in Pellet- oder Würfelform angeboten. Da diese genauso wie die Zuckerrübenschnitzel aufquellen, müssen sie vor der Fütterung gut eingeweicht werden, um Schluckbeschwerden oder einer Kolik vorzubeugen. Durch die dichte Pressung der Zuckerrübenwürfel benötigen diese in der Regel sogar eine noch längere Einweichzeit – hier auf jeden Fall 24 Stunden Einweichen vor der Fütterung einplanen.