Kreuzverschlag

Umgangssprachlich wird Kreuzverschlag auch als Feiertagskrankheit bezeichnet. Daneben werden auch die Begriffe Nierenverschlag oder Lumbargo für die Muskelkrankheit Kreuzverschlag verwendet.

Kreuzverschlag tritt in verschiedenen Schweregraden auf und hat dementsprechend eine sehr große Bandbreite. Wenn Pferde im Stall gehalten werden, nur unregelmäßig Bewegung bekommen und trotzdem mit der vollen Futterration versorgt werden, ist das Risiko für das Auftreten von Kreuzverschlag sehr hoch. Zudem erkranken Pferde, die an Ausdauerprüfungen teilnehmen oder Weidepferde, die nicht gearbeitet werden, häufig an Kreuzverschlag. Meistens tritt der Kreuzverschlag auf, wenn „plötzlich“ nach einer Ruhephase mit voller Fütterung Leistung vom Pferd gefordert wird.

Durch Fütterung und Bewegungsmangel hat sich der Säuregehalt in der Muskulatur des Pferdes übermäßig entwickelt, was eine Zersetzung des Blutes zur Folge hat.

Zu den Symptomen von Kreuzverschlag gehören Steifheit mit veränderter Schrittlänge, übermäßiges Schwitzen, eine beschleunigte, heftige Atmung und Schmerzen im Bereich der Lenden- und Kruppenmuskulatur. Es kommt zu einem Verkrampfen bzw. Verhärten und Anschwellen der Muskeln. Die Hinterhand des Pferdes versteift sich und zeigt starkes Zittern. Zudem ändert sich die Farbe des Urins (Variationen von bernsteinfarben bis dunkelbraun). In ganz schweren Fällen sind die betroffenen Muskeln ganz steif, weshalb sich das Pferd nicht mehr bewegen kann. Durch Kreuzverschlag kann es zu einer Schädigung der Muskeln kommen. Weiterhin kann Kreuzverschlag in schweren Fällen auch zu Nierenversagen führen. Pferde, die an Kreuzverschlag leiden, zeigen einen starken Drang, sich hinlegen zu wollen. Wenn sich das Pferd hingelegt hat, erst einmal fest liegt und sich nicht mehr zum Aufstehen bewegen lässt, sind die Aussichten auf Heilung nur noch gering.




Kreuzverschlag gehört zu den Pferdekrankheiten, die auf ganz unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden können. Er kommt öfter bei Stuten vor und steht mit kohlenhydratreicher Nahrung und unregelmäßiger Bewegung in Zusammenhang. In wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass die Mineralstoffkonzentration in den Körperzellen bei Pferden, die an Kreuzverschlag erkrankten, ungewöhnlich hoch ausfiel. Wurde die Mineralstoffzufuhr reduziert und die Menge an Mineralien in den Körperzellen auf ein Normalmaß gebracht, trat bei den Pferden kein Kreuzverschlag mehr auf.

Bei Verdacht auf Kreuzverschlag sollte sofort der Tierarzt gerufen werden. Im Anfangsstadium bestehen meist gute Heilungschancen, wenn der Tierarzt schnellstmöglich mit der Behandlung beginnt.

Bis der Tierarzt eintrifft, sollte das vom Kreuzverschlag betroffene Pferd warm eingedeckt werden (insbesondere die Kruppenregion muss warm gehalten werden!) und nicht unnötig bewegt werden – am besten ist es, wenn sich das Pferd gar nicht mehr bewegt. Wasser oder Wasser mit Elektrolyten versetzt, sollte dem Pferd angeboten werden.

Der Tierarzt verabreicht Medikamente gegen die Schmerzen. Mithilfe einer Bestimmung der Muskelenzyme kann die Schwere der Krankheit sicher bestimmt werden. Bei einem schweren Befund erfolgt eine Therapie mit muskelspezifischen Medikamenten (ATP, Lyson, Selen-E), die äußerst sorgfältig abgestimmt werden muss, um Rückfällen und chronische Muskelerkrankungen vorzubeugen.

Wenn das Pferd den Kreuzverschlag überstanden hat, sollte zunächst nur leicht gearbeitet werden, damit die erforderliche Kondition allmählich aufgebaut wird.

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