Hufrehe – Schnelles Handeln ist gefragt

Bei der Hufrehe handelt es sich um eine nicht-eitrige Entzündung der Huflederhaut, die sich zwischen dem Hufbein und der Hufsohle befindet. Die Huflederhaut wird aus unterschiedlichen Bereichen gebildet, sie deckt wie ein Mantel das Innere des Hufes ab. Zu den Aufgaben der Huflederhaut gehört auch die Neubildung von Horn. Dazu benötigt sie viele Nährstoffe, weshalb die Huflederhaut sehr gut durchblutet wird und von vielen Nerven durchzogen ist, was die Huflederhaut wiederum sehr empfindlich macht. Die Entzündung der Huflederhaut betrifft oft nur den vorderen Teil des Hufes und führt zu Störungen in der Durchblutung in der Lederhaut. Bei einer Hufrehe wird die normale Blutzufuhr zum Huf unterbrochen. Man kann sich das in etwa so vorstellen, dass es im Huf zu einem „Herzinfarkt“ kommt.




Problematisch ist zudem, dass sich die entzündete Huflederhaut in der festen Hornkapsel nicht ausdehnen kann. Die Blättchenstrukturen im Huf werden durch die mangelnde Blutversorgung geschädigt. Die Blättchen sind für den Zusammenhalt von Hufbein und äußerer Hufkapsel verantwortlich. Das gesamte Pferdegewicht lastet auf dem Hufbein. Durch die Auflösung der Blättchen, gerät das Hufbein aus der richtigen Lage heraus. Neben der Entzündung der Huflederhaut, tritt deshalb häufig auch eine Rotation (Drehung) des Hufbeins nach unten ein, so dass dieses nicht mehr parallel zur Hufwand liegt und beim Auftreten starken Druck auf die Lederhaut ausübt, was dem Pferd zusätzliche Schmerzen bereitet.

Meist sind nur oder überwiegend die Vorderhufe von der Hufrehe betroffen, wobei zwischen den Beinen auch noch Unterschiede vorliegen können. Ganz selten tritt die Rehe auch an allen vier Hufen gleichzeitig auf. In ganz schlimmen Fällen kann die Hufrehe dazu führen, dass das betroffene Pferd eingeschläfert werden muss.

Es gibt verschiedene Faktoren und Ursachen,
die die Hufrehe auslösen können:

  • zu viel Kraftfutter – Futterrehe
  • plötzliche Futterumstellung – Futterrehe
  • Aufnahme von Giftpflanzen – Futterrehe
  • zu viel kaltes Wasser nach einer Überhitzung – Futterrehe
  • zu kohlenhydratreiche (eiweißreiche) Nahrung (zu viel Grünaufnahme bei beginnender Weideperiode) – Futterrehe
  • Überlastung durch zu lange Ritte auf hartem Boden – Belastungsrehe
  • lange Transporte – Belastungsrehe
  • zu später Abgang der Nachgeburt (Nachgeburtsverhaltung) – Geburtsrehe
  • Cushing-Syndrom – hormonell bedingte Hufrehe
  • hohe Kortison-Gaben (In diesem Zusammenhang kann eine Rehe auch durch die Gabe anderer Medikamente ausgelöst werden, wenn der Pferdekörper sensibel darauf reagiert.)
  • schwere innere Krankheiten wie Durchfall, Lungenentzündung oder Kolik (Giftstoffe werden freigesetzt, die die Durchblutungsstörungen verursachen)
  • mechanische Auslöser (bspw. zu viel Traben auf hartem Untergrund, diese Art der Hufrehe ist häufig bei Fahrpferden zu finden)

Besonders anfällig für eine Rehe-Erkrankung sind gut genährte, leichtfuttrige Ponys. Alle anderen Rassen sind jedoch nicht von der Hufrehe ausgeschlossen.
Charakteristisch für eine akute Hufrehe ist die unnatürliche Körperhaltung (Rehe-Haltung), die das Pferd einnimmt. Dabei wird das Körpergewicht möglichst stark auf die Hinterhand verlagert (die Hinterbeine werden unter den Körper geschoben) und die erkrankten Vorderhufe zuerst mit den Trachten aufgesetzt und weit vom Körper weg geschoben. In einem akuten Fall von Rehe weigert sich das Pferd zu gehen. Wenn sich das Pferd bewegt, wird ein sehr kurzer, klammer Gang sichtbar, weil das Pferd versucht mit der Zehenspitze aufzutreten und den Ballenbereich zu schonen. Wenn eine starke Vergiftungserscheinung vorliegt, kann es zum Verlust der Hornkapsel am Huf kommen – man spricht auch von „Ausschuhen“ und dem Pferd ist nicht mehr zu helfen.

Zusätzlich zur typischen Rehe-Haltung kann sich der Allgemeinzustand des Pferdes innerhalb von wenigen Stunden massiv verändern: Fieber, Zittern, Schweißausbrüche, erhöhter Puls und verstärkte Atmung. Das Pferd kann außerdem eine steife Körperhaltung mit aufgewölbtem Rücken einnehmen. Die Vorderhufe sind warm und reagieren auf leichten Druck mit der Hufzange an der Spitze des Hufbeins extrem schmerzempfindlich. Die Pulsation, die am Fesselkopf fühlbar ist, ist deutlich verstärkt.

Eine akute Rehe kann nach drei Tagen in eine chronische Rehe übergehen. Im Zuge dessen kann es zu einer Hufbeinsenkung oder im äußersten Fall zu einem Durchbruch des Hufbeins durch die Hufsohle kommen, was die Tötung des Pferdes notwendig macht. Mit einer Röntgenaufnahme kann festgestellt werden, wie sich die Lage des Hufbeins innerhalb der Hufkapsel verändert hat.

Im Rahmen einer Erkrankung mit Hufrehe werden im Körper des Pferdes Substanzen freigesetzt, die ins Blut gelangen. In den kleinen Blutgefäßen der sensiblen Huflederhaut sorgen diese Substanzen dafür, dass es zu einer Verengung kommt (Durchblutungsstörung). Dabei kann es dazu kommen, dass die Huflederhaut abstirbt, sich das Strahlbein dreht und durch die Sohle sinkt.

Wenn der Verdacht auf Hufrehe besteht, muss sofort ein Tierarzt hinzugezogen werden. In erster Linie geht es zunächst darum eine Lageveränderung des Hufbeins (Hufbeindrehung und Durchbruch durch die Sohle) zu verhindern, dazu werden Medikamente eingesetzt. Zusätzlich können weiche Einstreu und kühlende Wasserbäder zur Unterstützung der Behandlung beitragen. Ebenfalls empfehlenswert sind Polsterverbände, die im Wechsel mit warmem und kaltem Wasser angegossen werden, wodurch die Durchblutungsstörungen im Huf bekämpft werden. Wenn die akuten Schmerzen abgeklungen sind, kann schonendes Führen des Pferdes auf weichem Boden zur Förderung der Durchblutung durchgeführt werden. Daneben muss natürlich auch die Ursache für die Rehe-Erkrankung behoben werden.

Die Hufe des an Hufrehe erkrankten Pferdes sollten ausgeschnitten werden, um den Huf ins Gleichgewicht zu bringen.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist das Anbringen eines orthopädischen Rehebeschlages. Das Eisen hat dabei lange Schenkel und weiter nach hinten angebrachte seitliche Aufzüge. Der Zehenteil des Eisens wird so gekürzt, dass der vordere Bereich des Hufs keine Verbindung zum Hufeisen hat und es zu einer Entlastung des Hufes kommt. Der Druck auf das Hufbein nimmt so deutlich ab. Bewährt hat sich außerdem das Einschweißen einer Lochplatte in den hinteren Teil des Eisens, die mit einer elastischen Silikon-Masse ausgefüllt wird.

Im günstigsten Fall von Hufrehe kommt es zu einer Heilung der Blättchen im Huf bzw. in den Hufen und damit einhergehend auch wieder dazu, dass eine erneute Verbindung zwischen Hufwand und Hufbein hergestellt wird. Es ist allerdings so, dass der Huf nie wieder in den Zustand zurückgelangt, den er vor der Rehe-Erkrankung hatte.

Um einer Hufrehe vorzubeugen, sollte die Fütterung sehr sorgfältig erfolgen und die Hufe regelmäßig kontrolliert werden. Insbesondere bei leichtfuttrigen Ponys muss gut aufgepasst werden, da diese häufig sehr anfällig für Rehe-Erkankungen sind.

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