Koppen – Hauptmangel beim Pferd

Unter Koppen wird Luftschlucken verstanden. Ein Pferd, das koppt, saugt mit dem Maul Luft ein, spannt die Halsmuskulatur an, was den Kehlkopf zurückzieht und drückt die Luft durch die Speiseröhre in den Magen. Das Abschlucken der Luft beim Koppen kann mit oder ohne Geräusch erfolgen.

Kopper werden nach Freikoppern und Krippensetzern (Aufsetzern, Aufsetzkoppern) unterschieden. Der Freikopper streckt seinen Kopf nach vorn oder oben, um Luft zu schlucken. Der Krippensetzer oder Aufsetzer drückt seine oberen Schneidezähne zum Koppen auf eine feste Unterlage (z.B. Futterkrippe oder Zaunpfosten). Es gibt Pferde, die auf beide Arten koppen.

Beim Koppen handelt es sich um eine chronische Verhaltensstörung des Pferdes. Diese Verhaltensstörung wird beispielsweise durch fortwährende Langeweile, Vereinsamung oder ein Schockerlebnis ausgelöst. Koppen kann bei Pferden, die als Fohlen nur eine kurze oder gar keine Saugperiode hatten, eine Ersatzbefriedigung zum Ausgleich des unbefriedigten Saugbedürfnisses als Fohlen sein.




Bei Koppern ist häufig ein Blähbauch festzustellen. Sie nutzen ihre Schneidezähne unregelmäßig ab, verwerten das Futter schlecht und neigen zu Erkrankungen des Magen-Darm-Systems.

Abhilfe schaffen kann unter Umständen ein sogenannter Kopperriemen. Der Kopperriemen wird dem Pferd am Halsansatz (direkt hinter den Ganaschen) angelegt. Damit soll verhindert werden, dass das Pferd die Halsmuskulatur im Kehlgang anspannt. Kopperriemen sind aber aus Gründen des Tierschutzes nicht wirklich zu empfehlen, da die Bewegungsfreiheit des Pferdes durch den Einsatz eingeschränkt wird, was die Unzufriedenheit bzw. das Unwohlsein des Tieres noch weiter erhöht.

Im Fall von Krippensetzern (Aufsetzern) kann auch die operative Entfernung (Vollnarkose) bestimmter Halsmuskeln und eines Nervs im oberen Halsdrittel das Koppen unter Umständen abstellen. Bei Freikoppern sind die Erfolgschancen einer solchen Operation deutlich geringer.

Wenn koppende Pferde im Stall gehalten werden, besteht das Risiko, dass andere Pferde, den Kopper als Vorbild nehmen und sein Verhalten bzw. seine Verhaltensstörung nachahmen. Diese Ansicht wurde lange Zeit und wird teilweise auch heute noch vertreten. Es gibt jedoch mittlerweile in der Fachwelt viele Experten, die davon überzeugt sind, dass sich Verhaltensstörungen des Pferdes nicht von einem Pferd auf das andere Pferd „übertragen“.

Koppen gehörte früher zu den Hauptmängeln bzw. Gewährmängeln, was bedeutete, dass der Verkäufer automatisch darauf hinweisen musste, dass es sich beim Verkaufspferd um einen Kopper handelte, bzw. ausdrücklich ausschließen musste, dass das Pferd koppt. Selbst wenn bei einem Krippensetzer eine Operation mit Erfolg durchgeführt wurde und das Pferd nicht mehr koppt, musste der Verkäufer dieses beim Verkauf des Pferdes angeben.