Hintergründe zur Zucht von Rassepferden

In der Pferdezucht legen verschiedene Zuchtverbände, Pferdstammbücher und Stutbücher fest, wie eine Pferderasse definiert wird. Für die Anerkennung einer neuen Rasse oder ein neuer Zweig als spezielle Rasse registriert wird, ist die Erfüllung festgelegter Kriterien erforderlich. Dabei gibt es regionale Unterschiede, was beispielsweise darin deutlich wird, dass es in den USA anerkannte Rassen gibt, die in Europa nur als Typ oder Kreuzung bezeichnet würden. Insgesamt gibt es heute etwas über 200 Pferderassen auf der Welt.

In Stutbüchern ist der Stammbaum (Pedigree) jedes Pferdes verzeichnet, das als Rassepferd registriert ist. Die Stutbücher der Araber und Englischen Vollblüter sind die ältesten. Bei den Stutbüchern wird zwischen geschlossenen und offenen unterschieden.

Zu den geschlossenen Stutbüchern in der Pferdezucht gehören beispielsweise das Stutbuch der Trakehner oder das Stutbuch der Englischen Vollblüter. Bei diesen Rassen wird bei der Zucht kein Blut von außen akzeptiert. Damit ein Pferd neu in ein geschlossenes Stutbuch aufgenommen wird, muss es von Pferden abstammen, die schon dort registriert sind. Die registrierten Pferde sind die Basis der Rasse. Die Zucht aller nach ihnen ins Stutbuch aufgenommenen Tiere lässt sich auf ihren Ursprung zurückführen. Der Vorteil bei geschlossenen Stutbüchern besteht in der Reinhaltung des Pferdetyps. Der Gen-Pool wird allerdings limitiert, was dazu führen kann, dass sich nicht erwünschte Eigenschaften durchsetzen. Vereinzelt werden geschlossene Stutbücher für einen begrenzten Zeitraum geöffnet, um frisches Blut in die Rasse einfließen zu lassen.




Offene Stutbücher weisen manchmal Register oder Anhänge auf, die es möglich machen, eine größere Anzahl von Pferden einer Rasse zusammenzufassen. Die American Quarter Horse Association hat ein Stutbuch für die Eintragung von Nachkommen registrierter Quarter Horses. Daneben wird ein Anhang geführt, in den Nachkommen aus Kreuzungen aus Quarter Horses und Vollblütern vorübergehend aufgenommen werden. Wenn die dort aufgeführten Pferde bestimmte Leistungskriterien erfüllen, verdienen sie sich ihren Platz im Stutbuch.

Mit offenen Stutbüchern, die in vielen Teilen Europas eingesetzt werden, bleibt mehr Flexibilität. Während der Weltkriege sind viele Zuchtunterlagen verloren gegangen. Aus diesem Grund hatten viele Länder gar keine andere Wahl als von neuem zu beginnen. In einem offenen Stutbuch ist die Registrierung von Nachkommen bekannter Rassepferde möglich, auch wenn nicht beide Elterntiere derselben Rasse angehören. Die meisten Warmblutrassen haben ihren Ursprung in Kreuzungen aus reinrassigen Vollblütern mit den schweren Kutsch- oder Zugpferden bestimmter Länder. Nach weiteren Kreuzungen und Zuchtauslese entwickelten sich verschiedene Warmblutrassen. Das offene Stutbuch machte es den Pferdezüchtern möglich, mit Experimente mit vielen Blutkreuzungen zu machen, um ein Pferd zu züchten, das den einer festgelegten Rasse entsprechenden Körperbau und Typus sowie deren Temperament und Leistungsfähigkeit aufweist.