Galopprennen Geschichte und Entwicklung

Nachdem in der Antike zuerst nur Wagenrennen mit Pferden veranstaltet wurden, gab es im Jahr 720 vor Christus auch die ersten Rennen unter dem Sattel. Damals waren es die Römer, die schnelle Pferde züchteten und die ersten Grundlagen des Rennsports entwickelten. Die Wiege des Galopprennsports befindet sich allerdings in England. Hier ließ sich im Jahr 208 der römische Kaiser Lucius Septimus Serverus nach seinem Feldzug gegen die Britannier nieder. Er war ein großer Anhänger der Pferderennen und ließ sich aus diesem Grund Pferde aus dem weit entlegenen Orient nach England bringen, da es auf der Insel zu jener Zeit nur ungeeignete plumpe Ponys gab. Septimus Serverus war es auch, der zwischen 208 und 211 nach Christus die erste Rennbahn in Yorkshire bauen ließ.

Bevor die Zucht des Englischen Vollbluts im 16. Jahrhundert begründet wurde, kamen diese Pferde und Araber bei den Pferderennen zum Einsatz, die während der Kreuzzüge von Rittern in Großbritannien eingeführt worden waren. Die Rasse des Arabischen Vollblüters war bei den Engländern aufgrund der Schnelligkeit und des Temperamentes sehr beliebt.




Das älteste Schriftstück, das sich auf Pferderennen in Großbritannien bezieht, stammt aus dem Jahr 1074 und wurde von William Fitzstephen verfasst, der darin über ein Pferderennen berichtete, das im Stadtteil Smithfield von London ausgetragen wurde.

Zu keiner anderen Disziplin im Pferdesport gibt es so gute und ausführliche Dokumentationen wie zum Rennsport. Die älteste Rennstrecke, die heute noch Bestand hat, befindet sich in Chester im Nordwesten von England. Auf dieser Rennstrecke wurden schon im Jahr 1540 Pferderennen veranstaltet. Im Jahr 1580 besuchte Queen Elisabeth I. die Pferderennen in Salisbury Plain.

In die Karte von Doncaster wurde noch vor 1600 eine Rennstrecke eingetragen. Im Jahr 1640 wurde ein Rennen in Epsom abgehalten. Newmarket erhielt seine Vormachtstellung im Jahr 1700 als Folge des königlichen Patronats, was dem Sport zu seiner Popularität verhalf. Bereits im Jahr 1660 hatte Charles II. Newmarket zu seinem Wohnsitz auserkoren. Im Jahr 1711 wurde die legendäre Rennbahn in Ascot eröffnet.

Die erste Galopprennbahn auf amerikanischem Boden entstand im Jahr 1664 unter Richard Nicolls dem Gouverneur von New York.

Die Veröffentlichung des Rennkalenders erfolgte zum ersten Mal im Jahr 1727. Der Rennkalender verzeichnet alle Rennen und Ergebnisse. Um den Sport in größerem Rahmen zu fördern, kam es im Jahr 1740 zu einem Verbot aller kleineren Rennen, wo es nur um geringere Summen ging, durch das englische Parlament.

Mit der Expansion der Vollblutzucht wurde eine zentrale Organisation notwendig. So wurde im Jahr 1752 der britische Jockey Club von Angehörigen des Hochadels und anderen reichen Männern gegründet. Dieser war von Newmarket aus für die Vollblutzucht und die Regelung der Rennen verantwortlich. Zu dieser Zeit war der Begriff Jockey noch die geläufige Bezeichnung für Pferdeeigentümer und Pferdereiter. Er ist bis heute eine bedeutende Dachorganisation des Pferderennsports und legt die Regeln in Bezug auf die Strecken, Rennen, Zucht und Lizenzierung fest. Im Jahr 1994 hat der Jockey-Club den größten Teil seiner Verantwortung an das British Horseracing Board übergeben. Das British Horseracing Board ist heute die höchste Instanz für den Rennsport in Großbritannien.

Die meisten Rennpferde waren bis 1744 bereits über fünf Jahre alt, wenn sie zum ersten Mal auf die Rennbahn kamen. Im Laufe der Zeit verringerte sich dieses Alter jedoch zunehmend. So gab es 1744 ein Rennen für Vierjährige. Im Jahr 1756 folgten zwei Dreijährigen-Rennen und 1768 gab es in Newmarket erstmals ein Rennen für Zweijährige.

James Weatherby nimmt eine wichtige Funktion in der Geschichte und Entwicklung der Vollblutzucht und damit des Rennsports ein. Weatherby wurde im Jahr 1773 zum Zuchtbuchführer des Jockey Clubs ernannt und trug damit die Verantwortung für sämtliche Rennprotokolle. Er war derjenige, der 1813 alle Vollblüter Großbritanniens im allgemeinen Gestütsbuch (General Stud Book) erfasste. Anhand dieses Standardwerkes, das seither von der Forma Weatherby herausgegeben wird, kann die Abstammung der Pferde zurückverfolgt werden.

1766 gründete Richard Tattersall in Hyde Park Corner das Wett- und Pferdeverkaufszentrum Tattersall, das bis 1865 Bestand hatte. Der Name Tattersall ist bis heute noch eng mit dem Pferderennsport verbunden.

Der erste Derbysieger im Jahr 1780 hieß Diomed. Noch heute laufen alle Derbys in der Form von damals ab. Großbritannien verfügt insgesamt über 59 Rennbahnen. Es gibt nur zwei Wochentage im Jahr, wo keine Galopprennen stattfinden – am Heiligen Abend und am Karfreitag.

Die Verbreitung des Galopprennsports und der angegliederten Industrie erfolgte überall dort in der Welt, wo es einen britischen Einfluss gab. In Nordamerika wurde das erste offizielle Pferderennen im Jahr 1665 auf Long Island veranstaltet. Das erste organisierte Rennen auf französischen Boden fand im Jahr 1776 in Paris statt. In Deutschland gründete sich im Jahr 1822 der Rennverein Bad Doberan und es gab ebenfalls im Jahr 1822 in Mecklenburg (22.08.1822, Doberan) das erste Galopprennen auf deutschem Boden. Im Jahr 1837 wurden die ersten Pferderennen in Florenz und Neapel in Italien gestartet. Die ersten organisierten Pferderennen der südlichen Hemisphäre wurden 1810 in Sydney (Australien) und 1842 in Auckland (Neuseeland) durchgeführt. 1863 gab es in Frankreich das erste große Rennen – den Preis des Jockey Clubs. Das Kentucky-Derby in Amerika wurde erstmalig im Jahr 1875 veranstaltet.