Stierkampf (zu Pferde)

Der Stierkampf ruft bei Tierfreunden in der Regel absolute Ablehnung hervor. In Spanien und Portugal hingegen ist der Stierkampf traditionell tief verwurzelt. Stierkampf in Spanien ist jedoch nicht gleich Stierkampf in Portugal. Pferdchen.org stellt Ihnen die wesentlichen Merkmale des Stierkampfs in aller Kürze vor:

Stierkampf bzw. Corrida in Spanien

Die stolzen spanischen, stets dunkel gekleideten Stierkämpfer, die hoch zu Ross antreten, werden Rejoneadores genannt. Sie reiten auf sehr gut ausgebildeten Andalusiern (P.R.E.), die auch die schwierigsten Lektionen der Hohen Schule beherrschen. Während eines Kampfes kommen mehrere dieser Pferde zum Einsatz, die nacheinander vom Rejoneadoren geritten werden.




Der Rejoneador beginnt sein Werk mit kurzen Stahlklingen, die als Rejones bezeichnet werden. Diese Rejones setzt er in den Hals des Stieres. Anschließend wechselt der Rejoneador zu kürzeren Klingen, die die Bezeichnung Banderilla tragen. Den Todesstoß versetzt der Rejoneador dem Stier mit einer langen Klinge (Rejon de Muerte).

Bevor der Rejoneador die Stierkampfarena betritt, treten die Picadores in Erscheinung. Die Picadores sind ebenfalls beritten. Ihre Pferde sind zum Schutz vor dem Stier mit dicken, gesteppten Decken ausgerüstet. Die Picadores sind mit Lanzen bewaffnet, die sie einsetzen, um den Stier zu schwächen und damit die Vorarbeit für den Auftritt des Rejoneadors zu leisten.

Picadores und Rejoneadores werden zwar vom Publikum gefeiert, der wahre Held des spanischen Stierkampfs ist jedoch der Matador, der zu Fuß gegen den Stier antritt. Matador bedeutet übrigens übersetzt soviel wie „der, der tötet“.

Stierkampf in Portugal

Beim portugiesischen Stierkampf wird der Stier niemals getötet. Es gibt außerdem im Gegensatz zum spanischen Stierkampf weder Matadores noch Picadores. Die Pferde werden beim portugiesischen Stierkampf besonders geachtet und es wird viel Wert darauf gelegt, dass die Tiere nicht einmal einen Kratzer abbekommen.

Der portugiesische Stierkämpfer, der das Publikum in der Arena hoch zu Ross erfreut, wird Cavalheiro genannt. Die klassische Pferderasse des portugiesischen Stierkampfs ist der Lustiano. Cavalheiros reiten festlich in Gewändern des 18. Jahrhunderts in die Arena. Passend zum eleganten, edlen Pferd sind sie in Seide, Spitzen und Goldborten gehüllt. Auf dem Kopf trägt der Cavalheiro einen auffälligen Dreispitz.

Portugiesische Cavalheiros präsentieren auf ihren Lustianos beim Stierkampf wahre Reitkunst in Vollendung. Das Pferd scheint mit dem Stier eine Art Tanz – wenn nicht sogar einen Todestanz – aufzuführen, wobei es stets Anmut und Gleichgewicht bewahrt, auch wenn es in enormer Geschwindigkeit durch die Arena „fegt“.

Die Vorführung, die Pferd und Cavalheiro in der Stierkampfarena zeigen, folgt einem festgelegten Ritual, das auf den Regeln des ersten portugiesischen klassischen Rittmeisters dem vierten Marquis de Marialva (1713-1799) basiert. Marialva zu Ehren wird beim Stierkampf in Portugal auch von der Kunst des Marialva gesprochen.

Der Stierkampf und seine Bedeutung für die Reitkunst

In Spanien wie auch in Portugal ist es in großen Teilen dem Stierkampf zu verdanken, dass eine praktisch orientierte, klassische Schule der Reitkunst entwickelt wurde.