Springreiten – Technik

In früheren Zeiten war es üblich, dass die Springreiter auch während des Sprungs im Sattel sitzen blieben und sich dabei weit nach hinten zurücklehnten (Vollsitz). So war es mitunter allerdings ziemlich schwierig den Sprung über ein Hindernis unbeschadet zu überstehen. Zudem wurde das Pferd massiv in seiner Bewegung behindert.

Die Wende läutete der italienische Offizier Federico Caprilli ein. Dieser erfand um 1900 die sogenannte „natürliche Reitweise“, indem er den leichten Springsitz entwickelte. Nach seinen Lehren hebt der Reiter das Gesäß beim Springen aus dem Sattel, lehnt sich nach vorne über den Pferdehals und belastet die Steigbügel stärker. Grundlage dabei ist eine gedachte senkrechte Linie, die sich durch Schulter, Knie, Wade und Fuß des Reiters zieht. Mithilfe dieser Technik folgt der Springreiter der Bewegung des Pferdes bzw. macht die Bewegung mit. Auf diese Weise sitzt der Reiter bei jeder Phase des Sprungs im Gleichgewicht und stört die Pferdebewegung nicht. Obgleich diese damals neue Springtechnik in krassem Gegensatz zur bis dato gelehrten klassischen Reitkunst stand, konnte sie sich weltweit durchsetzen. Zunächst wurde sie in der italienischen Militärakademie propagiert, später dann auch von der Militärakademie in Hannover und vielen weiteren Schulen übernommen.




Im Parcours ist es wichtig, dass der Reiter jedes Hindernis in gleichmäßigem Rhythmus anreitet und über dem Hindernis mit dem Pferd im Gleichgewicht bleibt.

Das Sprung über das Hindernis beim Springreiten gliedert sich in drei Phasen:

Anreiten
Die erste Phase ist das Anreiten. Der Reiter verkürzt oder verlängert beim Anreiten die Galoppsprünge seines Pferdes, um dessen Fähigkeiten ideal einzusetzen und den korrekten Absprungpunkt zu erreichen. Wenn er das Tempo des Pferdes nicht kontrolliert, kann es zu dicht an das Hindernis geraten und nicht sauber abspringen. Springt es im umgekehrten Fall zu weit vor dem Hindernis ab, kann ein Gleichgewichtsverlust bei der Landung die Folge sein.

Sprung
Auf das Anreiten folgt in Phase zwei der eigentliche Sprung. Für den Sprung ist es wichtig, dass Pferd und Reiter ausbalanciert sind. Der Reiter geht mit der Pferdebewegung mit, um keinen Einfluss auf Schwung und Wölbung des Pferderückens und des Pferdehalses zu nehmen.

Landung
Phase drei ist die Landung nach dem Hindernis. Da der Parcours beim Springreiten im Galopp geritten wird, ist es von großer Bedeutung, dass der Reiter sein Pferd zu jederzeit kontrolliert, damit es nicht zu übereilt agiert, was Unfälle und Fehler nach sich ziehen kann.