Reitpferd – Freizeitpferd

Es ist zwar prinzipiell möglich, beinahe jedes Pferd zu reiten – sich also auf seinen Rücken zu setzen, deshalb ist jedoch noch lange nicht jedes Pferd ein Reitpferd. Die Ansprüche, die an ein optimales Reitpferd gestellt werden, variieren individuell von Reiter zu Reiter. Pferde, die in bestimmten Disziplinen des Pferdesports Leistungen bringen sollen, oder Pferde, die über bestimmte Eigenschaften wie besondere Gangart verfügen sollen, sind ein Thema für sich. Derartige Reitpferde stellen wir Ihnen an anderer Stelle ausführlich vor. In diesem Artikel soll es vornehmlich um das Reitpferd als Freizeitpartner gehen – also um das Freizeitpferd.

Zu den grundsätzlichen Charakteristika, die sich jeder (Freizeit-)Reiter von seinem Pferd wünscht, zählen Attribute wie brav, gesund und „bequem“. Auch wenn diese Eigenschaften nicht wirklich besonders außergewöhnlich oder aufregend erscheinen, so sind sie keineswegs selbstverständlich bei jedem angebotenen Reitpferd / Freizeitpferd zu finden.




Die Gesundheit eines Reitpferdes kann von einem Laien kaum beurteilt werden, wenn nicht gerade offensichtliche Mängel im Exterieur (eindeutige Fehlstellungen, Verformungen…), äußere Verletzungen oder deutliche Krankheitsanzeichen (Husten, stumpfes Fell, tränende Augen…) beim Pferd zu erkennen sind. Erscheint das Pferd optisch fit und gesund? Ist der Blick wach, klar und ohne Aufregung? Ist das Fell glatt und glänzend? Wie ist der Ernährungszustand des Pferdes? Wirkt es abgemagert oder erscheint es übergewichtig? Wichtig ist es auch, Fragen zur bisherigen Haltung des Pferdes zu stellen. Wie wurde das Pferd in der Vergangenheit gehalten? Stand es überwiegend im dunklen Stall, in einer Einzelbox ohne ausreichende Frischluftzufuhr mit nur wenig Bewegung? Dann ist davon auszugehen, dass der Körper des Pferdes durch eine derartig mangelhafte Haltung auf die eine oder andere Weise in Mitleidenschaft gezogen wurde und mit gesundheitlichen Mängeln bei diesem Pferd zu rechnen ist.

Für mehr Sicherheit sorgt eine  Ankaufsuntersuchung durch den Tierarzt, die jedoch auch keine 100% Garantie bietet. Dabei können der Umfang der Ankaufsuntersuchung und damit die Kosten für die Untersuchung stark variieren. Bei einer sehr ausführlichen und damit teureren Ankaufsuntersuchung kommen zahlreiche moderne Methoden der Diagnostik zum Einsatz. Neben Blutuntersuchungen und Ultraschall werden dabei u. a. auch Röntgenbilder erstellt. Bei weniger aufwendig gestalteten Ankaufsuntersuchungen zum günstigeren Preis wird ganz auf Röntgenaufnahmen verzichtet. Im Fall von reinen Freizeitpferden, die körperlich nicht den extremen Bedingungen des Wettkampfsports ausgesetzt wurden, reicht eine einfache Ankaufsuntersuchung in der Regel aus.

Neben der Gesundheit und der äußeren Erscheinung des Pferdes, kommt es beim Reitpferd / Freizeitpferd natürlich besonders auf die inneren Werte an, die so manchen Schönheitsfehler ausgleichen können. Ein ausgeglichener Charakter und ein angenehmes Temperament sind Merkmale des Interieurs, die für eine gute Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd von großer Wichtigkeit sind.

Man kann es den Pferden nicht zu 100% ansehen, ob sie brav sind. Auch hier sind Fragen zur Vergangenheit des Pferdes angebracht, um Rückschlüsse ziehen zu können. Daneben lohnt es sich, dass Pferd genau zu beobachten: Machen die Augen einen ruhigen, vertrauensvollen Eindruck? Ist das Ohrenspiel des Pferdes gelassen? Wie verhält sich das Pferd im Umgang? Lässt es sich problemlos einfangen und führen? Begegnet es dem Menschen mit Respekt? Steht es still oder hampelt es unkontrolliert, nervös herum? Nehmen Sie sich Zeit, um das Pferd ausgiebig in alltäglichen Situationen zu beobachten bzw. selber zu testen. Wie klappt das Putzen? Werden alle Hufe bereitwillig gegeben? Achtet das Pferd auf Sie, wenn Sie sich in seiner Nähe bewegen?

Ob ein Pferd als „bequem“ empfunden wird, hängt von den individuellen Bedürfnissen des Reiters ab. Bequeme Reitpferde / Freizeitpferde für das dressurmäßige Reiten, gehen willig durchs Genick mit leichter Anlehnung und bewegen schwingend mit kleineren Bewegungen nach vorne. Soll das Reitpferd / Freizeitpferd in erster Linie bei Reitjagden „bequem“ sein, so ist wichtig, dass das Pferd über eine hohe Trittsicherheit verfügt und nicht zum Pullen neigt.

Reitpferde / Freizeitpferd ohne jeden Fehler gibt es nicht. Deshalb sollte man sich vom Gedanken des perfekten Pferdes verabschieden. Wenn man sich nur lange genug ein Pferd anschaut, wird man immer etwas finden. Es gibt Menschen, die sich so sehr auf die Fehlersuche beim Pferd konzentrieren, dass sie kaum noch zu einer Entscheidung in der Lage sind. Nicht jeder Fehler / Mangel, den ein Reitpferd / Freizeitpferd aufweist, wirkt sich auf den „Reitgebrauch“ aus.

In erster Linie geht es bei der Auswahl eines Reitpferdes / Freizeitpferdes darum, ein Pferd zu finden, das für den gewünschten Einsatzzweck geeignet ist. Außerdem müssen Reiter und Pferd zusammenpassen. Dieses bezieht sich nicht nur auf Größe und Gewicht, sondern auch auf Charakter und Temperament. Die Chemie zwischen Mensch und Pferd muss einfach stimmen, damit einer harmonischen Partnerschaft nichts im Weg steht.

Um das richtige Reitpferd / Freizeitpferd für sich zu finden, muss man dementsprechend auch eine Selbstanalyse betreiben: Wie sind die eigenen reiterlichen Fähigkeiten, die dem Pferd „geboten“ werden können, zu bewerten? Wie ist es um den eigenen Charakter und das eigene Temperament bestellt?

Zu den ungünstigen Kombinationen zählen ängstliche, sensible Pferde und ungeduldige, nervöse Reiter. Derartige Pferd-Mensch-Paarungen werden sich höchstwahrscheinlich gegenseitig „kirre“ machen, wenn der Mensch seine eigenen Emotionen nicht kontrollieren kann. Genauso ungünstig ist die Kombination aus einem faulen, triebigen Pferd und einem als phlegmatisch zu beurteilenden Reiter. Hier besteht das Risiko, dass das „undynamische Duo“ in Reitbahn oder Gelände „einschläft“. Ein derartig ruhiger, phlegmatischer Reiter wird aber wahrscheinlich die notwendige Muße mitbringen, um mit einem „nervigen“ Pferd umzugehen.

Reitpferde / Freizeitpferde, die über eine hohe Veranlagung verfügen, weisen häufig auch einen starken Willen auf. Sie sind deshalb meist auch auf einen fortgeschrittenen Reiter mit entsprechender Erfahrung und Können angewiesen. Es ist eben ein gewaltiger Unterschied, ob man einen Ferrari oder einen Käfer fährt…

Reitpferd / Freizeitpferd für Reitanfänger
Das Reitpferd für den Reitanfänger sollte ruhig und gelassen sein. Seine Bewegungen sollten weich und angenehm sein. Reitanfänger brauchen kein Pferd, das zu olympiareifen Leistungen in der Lage ist. Freche Pferde, die zu Ungehorsam neigen, sind für Anfänger eine denkbar schlechte Wahl.

Reitpferd / Freizeitpferd fürs Gelände
Bei Reitpferden / Freizeitpferden, die hauptsächlich für das Reiten im Gelände eingesetzt werden sollen, sind Gelassenheit und ein ruhiges Temperament die wichtigsten Charaktereigenschaften. Pferde für das Gelände sollten sich weder von einem Trecker noch von einem vorbeihuschenden Wildtier aus dem Konzept bringen lassen. Das Reitpferd fürs Gelände muss dabei nicht mit bemerkenswerter Schönheit gesegnet sein.

Reitpferd / Freizeitpferd für den Pferdesport
Ein Reitpferd / Freizeitpferd, das zum amateurhaften Einstieg in eine Disziplin des Pferdesports (Dressur, Springen, Vielseitigkeit) genutzt werden soll, sollte über diesbezügliche Erfahrung verfügen. Idealerweise sind derartige Freizeitpferde schon etwas älter und in ihrem Sport routiniert. So kann man als Reiter von den Erfahrungen des Pferdes profitieren und hat damit einen perfekten vierbeinigen Lehrmeister unter dem Sattel.

Was ist wichtig beim Reitpferd / Freizeitpferd?

  • Gesamteindruck harmonisch – ohne auffällige Fehler
  • Temperament ausgeglichen
  • Gute Gesundheit
    (Ankaufsuntersuchung in Abhängigkeit vom Bedarf
    und von den finanziellen Mitteln)
  • Gutes Benehmen / Gute Manieren
  • Geländetauglichkeit
  • Sympathie zwischen Mensch und Pferd

Weitere Artikel zur Auswahl eines Reitpferdes / Freizeitpferdes