Kontrolle behalten

Um vom Pferd als ranghöher akzeptiert zu werden, ist es wichtig zu jederzeit die Kontrolle über das Tier zu behalten. Das Loslassen des Führstricks beim Führen, weil das Pferd aus irgendwelchen Gründen übermütig oder ängstlich geworden ist und Sie nicht mehr wahrnimmt, sollte die letzte Maßnahme sein. Setzen Sie vorab zunächst Ihre Intelligenz ein, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Wenn Ihnen das nicht gelingt, versuchen Sie es mit Kraft wieder zu sich „zurückzuholen“ und zum Stillstand zu bewegen.

Gleiches gilt für das Führen zur Weide. Das Pferd wird erst von der Hand gelassen, wenn der Eingang zur Koppel geschlossen ist. Setzt sich das Pferd hier mittels Ungestüm durch und wird hektisch von Ihnen losgelassen oder reißt Ihnen im schlimmsten Fall den Führstrick aus der Hand, haben Sie viel von Ihrer Position verloren. In diesem Moment sind Sie für das Pferd kein Leittier mehr. Häufen sich derartige Situationen, können Sie Ihre gesamte Autorität verlieren.

Für die Sicherheit von Ihnen, des Pferdes und unbeteiligter Dritter, ist es von großer Bedeutung, dass das Pferd glaubt, dass es im Rang unter Ihnen steht und sich dementsprechend Ihren Anweisungen unterwerfen muss. Je häufiger das Pferd es schafft, sich Ihren Weisungen zu widersetzen, desto stärker wird seine eigene Position und desto häufiger wird es versuchen, Ihre Anweisungen zu ignorieren oder zu umgehen. Daraus können gefährliche Situationen entstehen und Sie und das Pferd müssen viel Kraft in die unnötigen Auseinandersetzungen investieren.

Falls Ihr Pferd in der Regel brav und einwandfrei Ihren Anweisungen folgt und sich leicht an der Hand führen lässt, es aber doch einmal zu einer Panikreaktion kommt, wo das Pferd aus Angst die Flucht antritt, dann wird es daraus keinen Erfolg ableiten, sondern im Gegenteil beruhigt sein, wenn die Situation geklärt ist und alles wieder den normalen Gang unter Ihrer Führung nimmt.




Natürlich gibt es auch Pferde, die charakterlich so gestrickt sind, dass Sie sich von Natur aus gerne widersetzen und regelmäßig ausprobieren, ob einmal gesetzte Grenzen permanent von Bestand sind. Diese Pferde versuchen zwischendurch immer mal wieder auszuprobieren, ob sie sich gegen den Führenden durchsetzen können. Dieses Verhalten liegt im Naturell des Pferdes, ist deshalb normal und nicht boshaft gegenüber dem Menschen gemeint. Pferde dieser Art, streben innerhalb der Herde Ranghoheit an und stellen deshalb die aktuelle soziale Rangfolge immer mal wieder in Frage, um herauszufinden, ob sich nicht vielleicht doch etwas zu ihren Gunsten ändern lässt und es in der Hierarchie aufsteigen kann. Bei einem solchen Pferd müssen Sie alle derartigen Versuche schon in der Entstehung unterbinden. Auf diese Weise kann das Pferd lernen, dass es wenig Hoffnung gibt, an der Rangfolge zwischen ihm und Ihnen etwas zu verändern.

Kommt es wiederholt zu massiveren Widersetzungen des Pferdes, so liegt offensichtlich ein Dominanzproblem zwischen Ihnen und dem Tier vor, dem Sie auf den Grund gehen und das Sie beheben sollten.

Wenn wiederholte ruhige Drohungen an das Pferd ohne Erfolg geblieben sind, müssen Sie darauf durch eine  Zurechtweisung reagieren. Ein Pferd, das den Menschen ernsthaft als Ranghöheren in Frage stellt, ist eine ernst zu nehmende Gefahr. Sie müssen diesem Pferd eindeutig vermitteln, dass Sie der Chef sind – daran führt kein Weg vorbei. Dabei ist körperliche Gewalt wirklich die letzte Maßnahme, aber manchmal einfach nicht zu vermeiden. Als Pferdehalter sind Sie in der Pflicht, die Kontrolle über Ihr Tier zu behalten und alles zu tun, was dafür erforderlich ist. Dazu gehört auch, dass Sie sich von Zeit zu Zeit aktiv gegen das Pferd durchsetzen müssen.

Falls Sie Angst davor haben, sich als ranghöher beweisen zu müssen, dann sind Sie generell mit der Haltung von Haustieren insbesondere mit einem Pferd überfordert. Für Sie, das Pferd und Ihre Mitmenschen ist es wichtig, dass Sie in der Lage sind, das Tier bestmöglich zu kontrollieren, wobei im Umgang mit Tieren immer ein gewisses Restrisiko bestehen bleibt.