Schlachtpferde und Pferdefleisch

Die Thematik Schlachtpferd bzw. Angebot und Genuss von Pferdefleisch ist für echte Pferdeliebhaber ein eher abstoßendes Thema. Persönlich habe ich noch kein Pferdefleisch gegessen und kann es mir auch nicht vorstellen. Da Pferdefleisch jedoch zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschheit gehört, liefern wir an dieser Stelle einige Grundinfos rund um das Pferd als Schlachttier und Nahrungsmittellieferant.

Wie bereits oben kurz angesprochen, ist der Verzehr von Pferdefleisch bei vielen Völkern und Kulturen der Erde traditionell verwurzelt.  Auf dem Speiseplan der Kelten, der Germanen, der Perser, der Griechen, der Römer und der Chinesen war Fleisch vom Pferd ein fester Bestandteil. Auch bei den großen Reitervölkern (Indianer, Mongolen, Hunnen) wurden die Pferde nicht nur als zuverlässige Reittiere genutzt, sondern auch ohne jegliche Scheu gegessen.

In der Fachsprache wird der Verzehr von Pferdefleisch als Hippophagie bezeichnet.





Pferde als Opfertiere

Das Pferd spielte in der Vergangenheit in vielen Kulturen ebenfalls eine Rolle als Opfertier, wobei das Fleisch der Pferde oft auf dem Teller landete und verzehrt wurde. Mitte Oktober schlachteten die Römer zum Beispiel ein Opferpferd, das als Oktoberpferd bezeichnet wurde, um so den Kriegsgott Mars zu huldigen. Zur Auswahl des Oktoberpferds wurde zunächst ein Wagenrennen mit Zweiergespannen veranstaltet. Am Ende des Rennens war das Schicksal des rechten Pferdes im siegreichen Gespann besiegelt. Es wurde von einem Priester getötet, der ihm Kopf und Schweif abschnitt. Um den Pferdekopf kämpften anschließend die Einwohner zweier Stadtviertel. Der Schweif des Oktoberpferdes wurde auch in irgendeiner Form für rituelle Zwecke verwendet, die jedoch bislang nicht eindeutig geklärt werden konnten.

Pferdefleisch-Verbote

Es gab im 8. Jahrhundert ein Verbot zum Genuss von Pferdefleisch, das von Papst Gregor III. erlassen wurde. Die Gründe für dieses Verbot sind unklar, wobei zwei mögliche Hintergründe denkbar sind: Auf der einen Seite könnte Papst Gregor III. aufgrund der Geschichte des Pferdes als Opfertier in der Pferdeschlachtung heidnische Praktiken gesehen haben, die er durch das Pferdefleisch-Verbot unterbinden wollte. Auf der anderen Seite könnte das Pferdefleisch-Verbot auch aus Gründen der Kriegstaktik von Papst Gregor III erlassen worden sein, um eine ausreichende Anzahl an Pferden für den Krieg zu haben. Das Pferdefleisch-Verbot hatte circa bis zum 19. Jahrhundert allgemeinen Bestand.

Bis 1811 war in Frankreich das Essen von Pferdefleisch verboten. Hier führten diverse Zeugenaussagen – unter anderem sprach sich der Apotheker von Napoleon für den Verzehr von Pferdefleisch aus – zu einer Gesetzänderung. Dabei kann auch eine Rolle gespielt haben, dass zahlreiche Soldaten während des Napoleonischen Krieges nur durch den Verzehr der Armeepferde überlebt hatten. Nachdem das Pferdefleisch-Verbot in Frankreich aufgehoben worden war, wurden öffentliche Pferdefleisch-Bankette veranstaltet, um unter Beweis zu stellen, wie vorzüglich das Fleisch des Pferdes ist.

Noch heute verbietet der jüdische Glauben den Pferdefleisch-Verzehr.

Schlachtpferde in den USA – ein schwieriges Thema

Daneben gibt es auch in der überwiegenden Zahl der US-amerikanischen Staaten ein Verbot Pferde für den menschlichen Verzehr zu schlachten. Teilweise ist es dort jedoch erlaubt, Pferde für die Leimherstellung oder die Hundefuttererzeugung zu schlachten. Insgesamt wird das Pferd in den meisten der US-amerikanischen Staaten jedoch eher als Sportkamerad und Haustier wie Katze und Hund angesehen und deshalb nicht als Schlachttier zugelassen. Das Verbot der Pferdeschlachtung in vielen Staaten der USA hat jedoch dazu geführt, dass viele Pferde zur Schlachtung außer Landes geschafft werden. Häufig werden die Schlachtpferde dazu unter äußerst miserablen Bedingungen bis nach Mexiko oder Kanada gekarrt, was für die Pferde eine unnötige zusätzliche Quälerei bedeutet. Unter diesem Gesichtspunkt sollte das Schlachtverbot in den USA unbedingt genauer geprüft und dem Wohle der Pferde entsprechend geändert werden.

Delikatesse Pferdefleisch

Pferdefleisch ist heute in vielen Ländern Europas eine Delikatesse und schon lange kein Arme-Leute-Essen mehr wie in der Vergangenheit. Insbesondere in Frankreich, Italien und in der Schweiz lassen sich Gourmets gerne mit Gerichten vom Pferd verwöhnen. Auch in Deutschland gibt es traditionelle Rezepte, die auf der Verwendung von Pferdefleisch basieren. Bekanntestes Beispiel ist der klassische Rheinische Sauerbraten, der authentisch zubereitet, Pferdefleisch und nicht Rindfleisch als Grundlage hat. Im Vergleich zum Rindfleisch ist Pferdefleisch deutlich zarter (hierbei gilt: je älter das Schlachtpferd, umso zarter das Fleisch). Das fettarme Pferdefleisch ist zudem reich an Eiweiß.

Pferdefleisch – normales Grundnahrungsmittel in Island

In Island stehen die Pferde auf gleicher Stufe mit Schweinen, Rindviechern und Schafen. Der Verzehr von Pferdefleisch ist dementsprechen vollkommen normal und nichts besonderes. Üblichweise werden Pferde, die nicht zuchttauglich sind und Pferde, die nicht benötigt werden, in Island geschlachtet.

Neben Island steht Pferd vielfach auch in Ländern wie Schweden, Belgien, Japan, Indien, China und Südamerika auf der Speisekarte. In Deutschland gibt es spezialisierte Pferdeschlachter, die häufig auf den Wochenmärkten anzutreffen sind, wo sie Pferdefleisch anbieten. Besonders populär sind hierzulande Sauerbraten und Rouladen vom Pferd. Gelegentlich findet man Pferdefleisch ebenfalls im Sortiment größerer Supermärkte.

Schlachtpferd – Deklarierung im Equidenpass

Ob ein Pferd zur Schlachtung bestimmt ist (also ein Schlachtpferd ist), legt der Besitzer hierzulande durch die Deklarierung im  Equidenpass fest. Ein Pferd, das im Equidenpass als Schlachtpferd deklariert ist, kann jedoch von seinem Besitzer bzw. einem neuen Besitzer auch in ein Nicht-Schlachtpferd geändert werden. Die Kennzeichnung als Schlachtpferd erlaubt jederzeit die Tötung des Pferdes. Schlachtpferde dürfen im Krankheitsfall vom Tierarzt nur bestimmte Medikamente erhalten, die keinen Einfluss auf die „Lebensmitteltauglichkeit“ des Pferdes nehmen.